erlebnis ridinger

1698 - 1998

Ridinger  –  Botschafter  Mr.  Europe  in  dunkler  Zeit

„ From the same lectern at Westminster College in Missouri at which Winston Churchill in 1946 first used the words Iron Curtain, Mikhail Gorbachev pronounced the end of the cold war: ‚Today democracy must prove that it can exist not only as the antithesis of totalitarianism‘“ (TIME, May 18, 1992).

Wir alle wissen, für welche Ereignisse diese beiden Daten stehen. Und lassen wir das gute Ende beiseite, so legen Ereignisse wie die Volksaufstände 1953 + 1956 in Ostdeutschland und Ungarn und der 1968er Prager Frühling und sein schreckliches Verblühen das ganze Herz dieser Finsternis bloß. Und es waren zugleich die lauten Bekenntnisse zu persönlicher Freiheit und zur Kultur Europas, die das sich selbst genügende Rest-Abendland durch den Eisernen hindurch erreichten.

Daß die vielen leisen Töne gleicher Bekundung nur hier und da vernommen wurden, liegt in ihrer Natur. Und doch ist das Leise häufig sehr, sehr deutlich!

Wie etwa jene Briefmarke, die zusammen mit vier gleichartigen weiteren am 21./24. April 1969 als Pferde-Satz von der Post der damaligen Tschechoslowakei aufgelegt wurde. Als dem Prager Frühling ganz frisch wieder ein eisiger Winter den Atem des Aufbruchs zurück nach Europa scheinbar erstickt hatte!

Es sind Wertmarken nach dem Landsmann Hollar, dem Niederländer Goltzius, den Deutschen Dürer, Merian – und Ridinger. Ridinger! Als werkbedingt zwar nur streckenweise, dafür aber um so anhaltend-sichtbarer dem Adel und der Kultur des Feudalismus als zwei Erzgegnern sozialistischen Heiles verbunden!

Und dennoch Ridinger! Und gleich auch noch mit dem höchsten Wert der Serie geehrt, 2.40 k.! Und als einziger in Farbe dazu!

Das war nicht selbstverständlich! Das war eine Demonstration! Des Leisen! Aber von der Tonstärke einer Fanfare! Es war, und bleibt im nachhinein, eine großartige, mutige Geste der Verbundenheit. Mit der europäischen Kultur. Würdig eines Ridinger, der sich mit seiner zeichnerischen Momentaufnahme jener für die Weltgeschichte so schicksalhaften Stunde im Herbst 326 v. Chr. am Hyphasis im Pandschab eines ebenso leisen Tones bediente. Um dem Alexanderzug zunächst den Nerv zu fühlen. Und mit der Radierfolge „Kämpfe reissender Thiere“ mit den Worten Brockes’ das Verdikt folgen zu lassen. Zeichnung wie Suite hier im Katalog.

Das Dürer gewidmete „Große Pferd“ zeigt nach Mende’s neuester Forschung Alexander mit seinem Lieblingspferd Bukephalos, das ihn von frühester Jugend an begleitet hatte, aber im Mai 326 in der Schlacht gegen Poros fiel. Vom König gewertet als ein Fingerzeig und entsprechend gewichtet, als nur Monate später am Hyphasis die Truppen den Weiterzug an den Ganges verweigerten und die Rauchopfer Unheil kündeten.

Thema des Ridinger-Wertes ist das Titelblatt zur 18blätterigen Großen oder Wiener Reitschule von 1734. Ein Exemplar dieser Majestätischen hier im Katalog.

Die hiesige Vorstellung dieses eine Generation zurückliegenden Marken-Satzes „Pferde“ ist daher zunächst einmal ein Gruß postumen Dankes für dessen Herausgabe selbst an die beteiligt gewesenen Adressen in der heute Tschechischen und der Slowakischen Republik.

Ihn überhaupt präsentieren – und zum 16ten auch noch in 16 Exemplaren anbieten zu können!, ist nur spontaner Hilfsbereitschaft, herzlichem Entgegenkommen, und monatelanger Bemühung zu verdanken. In gleicher Weise erfahren auf den verschiedensten Ebenen.

An erster Stelle ist Herr Vladimír Dražan zu nennen. Sodann in der Reihenfolge des Alphabets die Herren Jaroslav Auxt und Dr. Pavel Čtvrtník und Frau Jiřina Labudková. An der großen Herzlichkeit meines Dankes ändert diese Reihenfolge nicht das geringste!

 

5er Satz „Pferde“ der Tschechoslowakei vom 21./24. April 1969 in Stahlstich von Bedřich Housa (geb. Prag 1926) nebst Rastertiefdruck nach, in der Reihenfolge ihrer Werte, Hendrik Goltzius (Mühlbrecht bei Venlo 1558 – Haarlem 1617) / Matthäus Merian (Basel 1593 – Schwalbach 1650) / Václav Hollar (Prag 1607 – London 1677) / Albrecht Dürer (1471 Nürnberg 1528) + Johann Elias Ridinger (Ulm 1698 – Augsburg 1767). – Abbildungen

  1. 1 Exemplar des Satzes mit jedem der fünf Werte als rarer rechter oberer Eckrand-Vierer-Block
  2. 15 Exemplare als Einzelwerte

Mehr zu den Marken dieses Satzes wie auch dem Stecher Bedřich Housa in der
Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
von Gerhard Batz

erlebnis ridinger 1698-1998 – Inhaltsübersicht